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Mikal Numa ShayegiNona |
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1. Aufl. 2007, 72 Seiten, |
19,00 SFr |
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Mikal Numa Shayegis Verse entbinden das Wort von seiner Bedeutung und entziehen der Bedeutung ihre Bestimmung. Als Heimatloser, dem die Geborgenheit des bedeutungsvoll Verstandenen fremd ist, hört er das Wort und versteht es doch nicht.
Als Fremder in der eigenen Sprache – Dichter wider Willen – war ihm das Wort nur als Wort gegeben, noch bevor ihn die Welt lehrte, die Dinge zu verstehen. Im Riss, welcher die Stimme des Wortes und die Bedeutung der Welt trennt, liegt die Unmöglichkeit seines Schreibens, die tragische Schönheit seiner Dichtung.
Diese Verse, die wir nochmals und nochmals rezitieren, scheinen uns zu sagen, dass im Anfang die Stimme des Wortes war, dem das Denken folgen musste – und von dem es nicht mehr weiß, dass es ihm Gefolgschaft zu leisten hat. Die Verse, die sich hier entfalten, folgen einer Spur, die die Musik des Wortes als – zu verlierenden – Ursprung des Denkens annimmt. Wie aus einem fernen Land verlorener Zeit erklingt eine alte Melodie, eine säuselnde Stimme, die fremdartiger, verstörender und anziehender nicht erklingen kann.
Mikal Numa Shayegi (Dipl.-Jurist), geboren 1979 in Mashad (Iran) als Sohn eines russischen Vaters und einer persischen Mutter, seit 1988 im Exil in Deutschland, lebt und arbeitet in Frankfurt/Main.
Rezensionen:
»Der Autor [...] schafft ein Sprachkunstwerk seltener Ausprägung, das mit großem Bilderreichtum und existentiellen Gegenläufigkeiten ausgestattet ist. Jeder Sinnsuchende und Verirrte oder Verwirrte kann Trost finden, obwohl dem lyrischen Ich nicht geholfen wurde. Die Aneinanderkettung der Sätze und Wortkaskaden, deren Verformungen und semantische Durchleuchtung sind gekonnt und poetisch. Ist man beim ersten Satz noch verwirrt und will das Buch mit dem Prädikat ›modernes Wortgeklüngel‹ abtun, wird man schnell eines Besseren belehrt. Die Sprache ist aufgefeilt und ausgedünnt auf das Wesentliche, so dass wir diese Reduzierung und ungewohnte Mehrdeutigkeit einer poetischen Sprache erst wieder und erarbeiten müssen. Ein interessantes, inspirierendes lyrisches Werk [...].«
Eva Riebler in: etcetera, Nr. 31, März 2008
»Worum es in seinen Versen geht ist kaum zu beschreiben, kaum zu fassen. Er nutzt die deutsche Sprache in einer Art und Weise die verwirrend ist. Versucht man ihm inhaltlich zu folgen ist man verloren. Es ist eher die Melodie der geschriebenen Worte welche faszinierend ist. Er verzichtet auf jedwede Satzzeichen. Die Sätze zerfließen in ein einheitliches Stück.
Ist es Literatur? Ist es Musik? Ist es Kunst?
Auf jeden Fall ist es anders. Eine Bewertung ist nicht möglich. Man kann es nicht vergleichen, kein Bewertungsmuster festlegen. Hier gibt es kein falsch oder richtig, kein gut oder schlecht.«
Thorsten Korber, www.deep-chess.de, 2007
»Anscheinend haben Shayegis Gedichte wenig mit herkömmlicher Lyrik gemeinsam. Es ist nicht die bunte Bildhaftigkeit oder die versvollendete Eleganz, die hier waltet, Shayegis Sprache ist eher karg, schüchtern, separat. Aber man hat das Gefühl, als würde ihr Schöpfer auf einem herrlichen Schatz von Formulierungen ruhen, als hätte er davon einen Vorrat, von dem er zehrt und sich nährt, und aus dem er in die Zeilen, die er zu Papier bringt, nur das einbaut, was er für geeignet und für wert hält, dauerhaft in einem Gedicht bestehen zu können.
Daher entspringen die Sätze (oder besser gesagt, die Sequenzen) wohl weniger einem Gefühl oder einer Stimmung, die zum Ausdruck gebracht werden sollten, als vielmehr einer Intention, die man um mit Goethe zu sprechen als "Werdelust" bezeichnen kann. Die Lust am Werden von Sprache, an gewordener Sprache. Sie ist auf das Substanzielle reduziert, daher ohne lyrischen Zierrat, in ihrer eigenständigen Gestalt. Sie kommt ganz ohne Satzzeichen aus, auf den ersten Blick aneinandergereihte Wörter, zwischen denen man die Abgrenzung wie die Verknüpfung erst selbst erspüren und entdecken muss. Und das macht das Lesen zu einem wahren Vergnügen, es zeigt einem, wenn man sich dessen einmal bewusst wird, was für eine erstaunliche und wunderbare Tätigkeit Lesen eigentlich ist.
Bei allem ungeregelten Wortfluss und bei aller Egalität der Äußerungen herrscht dennoch von Anfang bis Ende und an jeder Stelle ein strenges Reglement, nämlich das der Grammatik, die in Shayegis Dichtung dafür sorgt und darüber wacht, dass alles und jedes seine Bedeutung und seinen Sinn hat und nichts durch Missverstehen verwandelt oder entstellt werden kann. Auch darin, die Grammatik als Werkzeug zu handhaben, ist Shayegi offenbar alter guter Tradition verpflichtet, und sie hat es noch jedem Dichter vergolten.
Wir meinen, dass in dieser eigentümlichen Verquickung von Auflösung und Kohärenz, von Verschwinden und Festhalten in der Struktur des Textes die besondere Güte und Schönheit von Shayegis Kunst liegt, und wir wünschen, dass daraus noch manches Gedicht zutage gefördert wird.«
Alexander Fuchs in: Gothaer Hefte, Erstausgabe 2007