Auch der Eskimo klebt an seiner Eisscholle

Rolf F. Schütt

Auch der Eskimo klebt an seiner Eisscholle

Geschichten und Virtuosenstücke

edition exemplum

1. Auflage 1998, 128 Seiten,
Broschur 13,8 x 21 cm
ISBN: 978-3-932740-20-6

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Sind die Figuren in Rolf F. Schütts Erzählungen und Szenarien nun Helden oder Anti-Helden? Scheitern sie am Leben oder liegt gerade darin ihre Stärke?

Gemeinsam ist ihnen die Vergegenwärtigung der Zwänge des Daseins, die sich im Alltäglichen, Banalen, scheinbar Normalen manifestieren – und der Wunsch, sich davon zu befreien, auszubrechen, Erwartungen nicht zu erfüllen oder ad absurdum zu führen. Wie der Redner in Der Glückwunsch, der allmählich seine Macht und die Macht des Wortes begreift und sich vom netten Gratulanten zum Publikumsbeschimpfer wandelt.

Oder Friedrich aus der poetischen Erzählung Das Heft in der Hand, der sein bürgerliches Leben aufgibt, um sich dem Denken zu widmen und fern aller Verbindlichkeiten sein Glück zu machen. Aber sind diese Ausbruchsversuche erfolgreich? Träumt sich Friedrich nicht letztlich in ein bürgerliches Leben zurück? Wird nicht der Redner nach anfänglichem Entsetzen vom Publikum benutzt, um sich aus der eigenen Banalität zu befreien? Oder war überhaupt alles nur ein Traum?

Schütt gibt seinen Geschichten Wendungen, die jeder Erwartung widersprechen. Und kaum wiegt man sich in Sicherheit und hat sich mit den neuen Begebenheiten arrangiert, wird man erneut in die »Irre« geführt, wie in dem Briefwechsel Eine weise Einweisung, wo sich die Frage stellt, wer oder was denn nun verrückt sei. So wie sich die Grenzen zwischen Irrsinn und Normalität verwischen, bewegen sich die Figuren auch im Beziehungsgeflecht zwischen Extremen. Liebe und Zuneigung – so es sie denn überhaupt gibt – sind ein ewiger Kampf, geprägt vom Wechselbad zwischen Macht und Ohnmacht, Gewalt und Zärtlichkeit, wie in dem temporeichen Monolog Eine strahlende Erscheinung oder in der Szene Alle gleich: jeder anders. Was ist hier Spiel, was ist Ernst, wer verführt wen, und wer hat überhaupt die Fäden in der Hand? Der Zweifel wird geschürt, auch durch entlarvende sprachliche Doppeldeutigkeiten, und kann so Quelle positiver Energie werden – wenn man sich darauf einläßt!

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