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Heinrich G. F. SchneeweißWas nun, Prometheus?Erzählung |
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1. Auflage 2004, 76 Seiten, |
21,00 SFr |
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Joannis Psarémis verlässt 1945 seine Heimat Kreta, um in einem griechischen Restaurant in Wien einen neuen Anfang zu wagen. So wie ihn zog es damals viele junge Leute weg aus der vermeintlich einengenden Heimat. Einer davon – Joannis’ Freund Giorgios – ist nun nach Jahrzehnten in Paris nach Iraklion zurückgekehrt und hat auch den Freund zur Rückkehr bewegt, um ihn bei fachwissenschaftlichen Studien zu unterstützen.
Diese Rückkehr teilt der Leser mit Joannis: gemeinsam mit ihm trifft er Freunde von früher und noch lebende Familienmitglieder. Gemeinsam mit ihm kehrt er an Orte der Kindheit und Jugend zurück. Schneeweiß lässt den Leser teilhaben an den Erinnerungen seines Protagonisten, aber auch an seinen Zweifeln, ob seine Rückkehr eine richtige Entscheidung war. Und vor allem lässt er ihn das zwiespältige Verhältnis spüren, das Joannis zu Kreta, seiner Kultur und Geistesgeschichte und zu den Kretern hat.
Auf der einen Seite sieht er die alten Mythen und Sagen sehr distanziert: war doch die Göttergläubigkeit der Alten mit ein Grund für seinen Fortgang, ebenso wie vermeintliche Enge und empfundener Stillstand. Auf der anderen Seite sieht er mit Entsetzen, wie pietätlos Kulturgüter von windigen Geschäftemachern ausgeschlachtet werden, wie Hotels und Touristen die Landschaft verschandeln und die Natur zerstören und die meisten Kreter diesem Treiben nicht nur tatenlos zusehen, sondern sich sogar selbst am »Ausverkauf der Kultur« bereichern.
Joannis’ beobachtende Distanz verliert sich immer mehr: auch nach dieser langen Zeit der Abwesenheit wird er – und mit ihm der Leser – immer mehr in den Bann der Insel gezogen, und es ist spürbar, wie sehr er sie eigentlich liebt, welche Bedeutung die griechische Mythologie auch heute noch für ihn hat und wie er um Verstehen kämpft.
Und waren da zu Beginn noch Zweifel, kommt er am Ende doch zu der Erkenntnis, dass er bleiben kann, ja bleiben muss: »Als ich meine Insel damals verließ, wollte ich nicht auf den Rat meiner Mutter hören. Sie hatte doch Recht. Ich brauche hier kein zweites Mal wegzugehen.«
Heinrich G. F. Schneeweiß, geb. 1930 in Bregenz; zahlreiche Veröffentlichungen: Prosa, Lyrik, Schauspiel, Übersetzungen aus dem niederländischen Sprachgebiet; langjähriger Mitarbeiter des Goethe-Instituts in den Niederlanden; 1995 Bundesverdienstkreuz für seine grenzüberschreitende literarische und kulturelle Arbeit.
Novelle
Zeit-Spuren in Erzählungen, Geschichten
und poetischer Prosa
Erzählungen