|
Mikal Numa Shayegi
Nona
1. Aufl. 2007, 72 Seiten,
Format 20 x 12 cm
ISBN 978-3-89896-293-3, Broschur, 9,90 Euro, 19,00 sFr
Best.-Nr. 293
Mikal Numa Shayegis Verse entbinden das Wort von seiner
Bedeutung und entziehen der Bedeutung ihre Bestimmung. Als
Heimatloser, dem die Geborgenheit des bedeutungsvoll
Verstandenen fremd ist, hört er das Wort und versteht es
doch nicht. Als Fremder in der eigenen Sprache – Dichter
wider Willen – war ihm das Wort nur als Wort gegeben, noch
bevor ihn die Welt lehrte, die Dinge zu verstehen. Im Riss,
welcher die Stimme des Wortes und die Bedeutung der Welt
trennt, liegt die Unmöglichkeit seines Schreibens, die
tragische Schönheit seiner Dichtung.
Diese Verse, die wir nochmals und nochmals rezitieren,
scheinen uns zu sagen, dass im Anfang die Stimme des Wortes
war, dem das Denken folgen musste – und von dem es nicht
mehr weiß, dass es ihm Gefolgschaft zu leisten hat. Die
Verse, die sich hier entfalten, folgen einer Spur, die die
Musik des Wortes als – zu verlierenden – Ursprung des
Denkens annimmt. Wie aus einem fernen Land verlorener Zeit
erklingt eine alte Melodie, eine säuselnde Stimme, die
fremdartiger, verstörender und anziehender nicht erklingen
kann.
»Worum es in seinen Versen geht ist kaum zu beschreiben,
kaum zu fassen. Er nutzt die deutsche Sprache in einer Art
und Weise die verwirrend ist. Versucht man ihm inhaltlich zu
folgen ist man verloren. Es ist eher die Melodie der
geschriebenen Worte welche faszinierend ist. Er verzichtet
auf jedwede Satzzeichen. Die Sätze zerfließen in ein
einheitliches Stück.
Ist es Literatur? Ist es Musik? Ist es Kunst?
Auf jeden Fall ist es anders. Eine Bewertung ist nicht
möglich. Man kann es nicht vergleichen, kein
Bewertungsmuster festlegen. Hier gibt es kein falsch oder
richtig, kein gut oder schlecht.«
Thorsten Korber,
www.deep-chess.de, 2007
»Anscheinend haben Shayegis Gedichte wenig mit herkömmlicher
Lyrik gemeinsam. Es ist nicht die bunte Bildhaftigkeit oder
die versvollendete Eleganz, die hier waltet, Shayegis
Sprache ist eher karg, schüchtern, separat. Aber man hat das
Gefühl, als würde ihr Schöpfer auf einem herrlichen Schatz
von Formulierungen ruhen, als hätte er davon einen Vorrat,
von dem er zehrt und sich nährt, und aus dem er in die
Zeilen, die er zu Papier bringt, nur das einbaut, was er für
geeignet und für wert hält, dauerhaft in einem Gedicht
bestehen zu können.
Daher entspringen die Sätze (oder besser gesagt, die
Sequenzen) wohl weniger einem Gefühl oder einer Stimmung,
die zum Ausdruck gebracht werden sollten, als vielmehr einer
Intention, die man um mit Goethe zu sprechen als "Werdelust"
bezeichnen kann. Die Lust am Werden von Sprache, an
gewordener Sprache. Sie ist auf das Substanzielle reduziert,
daher ohne lyrischen Zierrat, in ihrer eigenständigen
Gestalt. Sie kommt ganz ohne Satzzeichen aus, auf den ersten
Blick aneinandergereihte Wörter, zwischen denen man die
Abgrenzung wie die Verknüpfung erst selbst erspüren und
entdecken muss. Und das macht das Lesen zu einem wahren
Vergnügen, es zeigt einem, wenn man sich dessen einmal
bewusst wird, was für eine erstaunliche und wunderbare
Tätigkeit Lesen eigentlich ist.
Bei allem ungeregelten Wortfluss und bei aller Egalität der
Äußerungen herrscht dennoch von Anfang bis Ende und an jeder
Stelle ein strenges Reglement, nämlich das der Grammatik,
die in Shayegis Dichtung dafür sorgt und darüber wacht, dass
alles und jedes seine Bedeutung und seinen Sinn hat und
nichts durch Missverstehen verwandelt oder entstellt werden
kann. Auch darin, die Grammatik als Werkzeug zu handhaben,
ist Shayegi offenbar alter guter Tradition verpflichtet, und
sie hat es noch jedem Dichter vergolten.
Wir meinen, dass in dieser eigentümlichen Verquickung von
Auflösung und Kohärenz, von Verschwinden und Festhalten in
der Struktur des Textes die besondere Güte und Schönheit von
Shayegis Kunst liegt, und wir wünschen, dass daraus noch
manches Gedicht zutage gefördert wird.«
Alexander Fuchs in: Gothaer Hefte, Erstausgabe 2007
»Der Autor [...] schafft ein Sprachkunstwerk seltener
Ausprägung, das mit großem Bilderreichtum und existentiellen
Gegenläufigkeiten ausgestattet ist. Jeder Sinnsuchende und
Verirrte oder Verwirrte kann Trost finden, obwohl dem
lyrischen Ich nicht geholfen wurde. Die Aneinanderkettung
der Sätze und Wortkaskaden, deren Verformungen und
semantische Durchleuchtung sind gekonnt und poetisch. Ist
man beim ersten Satz noch verwirrt und will das Buch mit dem
Prädikat ›modernes Wortgeklüngel‹ abtun, wird man schnell
eines Besseren belehrt. Die Sprache ist aufgefeilt und
ausgedünnt auf das Wesentliche, so dass wir diese
Reduzierung und ungewohnte Mehrdeutigkeit einer poetischen
Sprache erst wieder und erarbeiten müssen. Ein
interessantes, inspirierendes lyrisches Werk [...].«
Eva Riebler in: etcetera, Nr. 31, März 2008 |
 |