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Carl-Peter Buschkühle, Jutta Felke (Hgg.)
Mensch Bilder Bildung
(Artificium – Schriften zu
Kunst, Kunstvermittlung und Denkmalpflege, herausgegeben von
Kunibert Bering, Bd. 21)
1. Auflage
2005, 180 Seiten mit 21 schwarz-weißen Abb., Format 21 x 14
cm
ISBN 978-3-89896-218-6, Broschur, 17,50 Euro, 31,50 sFr
Best.-Nr.
218
Von der Krise des Subjekts ist die Rede, von seinem Ende
gar. Medientheorien sprechen von der Codierung des
Bewusstseins, Life-Sciences wie Gen- oder Nanotechnik
sprechen von der absehbaren evolutionären Überwindung des
Individuums. Die Neurobiologie erkundet die Funktionszentren
des Gehirns und stellt die Rolle des Geistes in Frage. Seit
PISA ist die Rede von sektorieller Kompetenzbildung, das
Ziel einer ganzheitlichen Persönlichkeitsbildung gilt als
veraltet.
Diese Entwicklungen im Bereich der Bildungspolitik, der
Wissenschaften und der Medienkultur haben weitreichende
Folgen. Sie konturieren implizit oder explizit ein Bild vom
Menschen, in dessen Realisierung sie Energie, Zeit und Geld
investieren. Eine zeitgemäße Bildungsdebatte muss sich
diesen Herausforderungen stellen. Bildung im
ästhetisch-künstlerischen Bereich ist hier umso mehr
gefordert, als sie in diesen Debatten bislang keine Rolle
spielt. Elementare menschliche Eigenschaften drohen damit
aus dem Blick zu geraten und in einer zukünftigen Bildung
ausgegrenzt zu werden.
Die Tagung »Menschenbilder – Menschen bilden« lud im
Herbst 2004 profilierte Vertreter aus der Erziehungs- und
Medienwissenschaft, aus der Neurobiologie und der
Kunstvermittlung ins Kunstmuseum Wolfsburg und in die
Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig ein. Sie
waren aufgefordert, aus der Sicht ihrer Disziplinen
Perspektiven zu eröffnen auf die gegenwärtige Problematik
des Subjekts, auf die Bedeutung von Bildern für sein Welt-
und Selbstverständnis sowie auf Herausforderungen für eine
zeitgenössische Bildung in diesem Kontext. Der Tagungsband
versammelt die Beiträge der Referenten, die die Thematik in
einer großen Spannweite und mit unterschiedlichen Akzenten
erörterten. Der Kölner Medienwissenschaftler Hans Ulrich
Reck sieht in den neuen Technologien eine normative
Bilderpolitik im Namen der Freiheit am Werke, demgegenüber
erkennt der ehemalige Leiter des Frankfurter Museums für
Moderne Kunst, Jean Christophe Ammann, in der Kunst der
letzten Jahre eine neue Tendenz zur Materialität. Während
der Darmstädter Erziehungswissenschaftler Horst Rumpf der
PISA-Studie eine Opferung der »Welt als Ausdruck« zugunsten
der »Welt als Sache« nachweist, erforscht der Lübecker
Informatiker Michael Herczek neue Formen gemischter
physischer und digitaler Handlungsräume im Bereich
künstlerisch-ästhetischen Lernens. Thomas Peschel,
studierter Musiker und Neurobiologe an der Medizinischen
Hochschule in Hannover, plädiert für eine breite Förderung
der neuronalen Plastizität des Gehirns und weist
künstlerischen Bildungsprozessen dabei eine besondere
Bedeutung zu.
Vonseiten der Kunstpädagogik setzen sich Beiträge von
Manfred Blohm und Christine Heil, Carl-Peter Buschkühle,
Tanja Hehmann, Clemens Höxter und Joachim Kettel mit den
Thesen der Referate auseinander und erörtern ihre Bedeutung
für eine Bildung im ästhetisch-künstlerischen Bereich. Sie
greifen dabei Aspekte aus den Diskussionsrunden der Tagung
auf. »Ein Werk mit einem notwendigen Rekurs auf den
Beitrag der ästhetischen Bildung zugunsten eines Subjekts,
das gerade im Bildungsbereich immer mehr als funktionale
Variable nach den Parametern einer Output-Steuerung gesehen
wird. Auch wenn der Band nicht ad hoc didaktische Hilfen
bietet, trägt er zur essentiellen Diskussion um Bild und
Bildung bei.«
Johannes Kirschenmann, Kunst+Unterricht 306/2006 |
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